Montag, 15. Juni 2015

„Doppelmoral“ des Westens ist begründet



Es gibt nicht wenige, die glauben, die Außenpolitik westlicher Staaten basiere auf „Doppelmoral“, da diese Staaten andere Länder nicht gleichbehandeln. Als Beispiel wird oft Saudi-Arabien aufgeführt: „Warum setzt man den Staat X unter Druck, obwohl es in Saudi-Arabien viel schlimmer zugeht?!“ Obwohl ich solche Kritiken für berechtigt halte, bin ich der Meinung, die Forderung nach einer Gleichbehandlung aller Staaten sei unrealistisch und idealistisch.

Ein Beispiel soll dies verdeutlichen: Im Iran gibt es tausende Gefangene, die der Folter, Vergewaltigung, Hinrichtung, Blendung, Steinigung oder das Abhacken ihres Beins oder Arms ausgesetzt sind. Die Oppositionellen und die Menschenrechtler können sich selbstverständlich nicht für jeden einzelnen Fall individuell einsetzen, also müssen sie sich damit abfinden, nur für einige dieser Menschen Kampagnen zu führen. Alle anderen Fälle können nicht individuell behandelt werden. Durch das Engagement für die Menschenrechte wird aber indirekt auch auf die Lage anderer Gefangenen aufmerksam gemacht.

Genau so sieht es auf der Weltebene aus. Außer einigen europäischen Ländern, der USA, Kanada, Australien, etc. herrschen überall auf der Welt katastrophale Zustände - von Afrika und Asien bis Zentral- und Südamerika. Es ist nicht nur aus Aufwandsgründen unmöglich, gegen alle Unrechtsstaaten vorzugehen, sondern auch aus politischen Gründen. Wenn der Westen alle anderen Staaten der Welt wegen Missachtung der Menschenrechte unter Druck setzen würde, seine diplomatische Beziehungen zu ihnen abbrechen würde, usw., dann würde er ganz alleine dastehen und hätte sogar keine Chance zum Überleben. Also kann er nur unter bestimmten Voraussetzungen bestimmte Staaten unter Druck setzen.

Ich bestreite nicht, dass der Westen manchmal auch Mist baut, aber es ist schwer zu bestreiten, dass die westlichen Staaten die einzigen sind, die sich global für Menschenrechte und Freiheit einsetzen. Vielen mag dieser Einsatz zu dürftig erscheinen, aber welch anderer Staat interessiert sich im Geringsten für die Demokratisierung der Weltgemeinschaft und die Einhaltung der Menschenrechte?


April 2012

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