Samstag, 11. Juli 2015

KStA: „Wer sich nicht anpasst, ist ein Extremist“



Der Kölner Stadt-Anzeiger (KStA) liefert eine neue Definition des Extremismus: Wer sich nicht anpasst, ist ein Extremist. Am Dienstag, den 18. Februar 2014, wurde oben auf der Titelseite des Blatts folgender Text unter dem Titel „Extremist des Fußballs“ veröffentlicht: „Zlatan Ibrahimovic, der bestbezahlte Fußballer der Welt, spielt mit Paris Saint-Germain in der Champions League bei Bayer 04 Leverkusen. In der Welt der angepassten Stars ist er als bekennender Egomane ein Extremist.“

Ich habe den Namen Zlatan Ibrahimovic zum ersten Mal gehört und habe keine Ahnung, was für ein Typ er ist. Obwohl ich den langen Beitrag von Herrn Frank Nägele im KStA genauestens gelesen habe, bin ich, was Ibrahimovic betrifft, genau so schlau wie vorher. Jedoch habe ich erfahren, wie der Autor tickt. Er ist empört über Ibrahimovic, weil diesem „die Regeln der anderen egal sind“ und weil er ein „unbeugsamer Individualist“ ist. Was für Regeln Ibrahimovic nicht einhält, das erfährt der Leser nicht. Daraus kann man erkennen, dass es dem Autor nur wichtig ist, dass Regeln eingehalten werden. Um was für Regeln es sich dabei handelt, ist ihm egal, sonst hätte er es in seinem Artikel erwähnt. Es gibt aber gute und schlechte Regeln. Man kann sich darüber streiten, ob es gut oder schlecht ist, dass viele Fußball-Vereine den Spielern bestimmte Frisuren verbieten, oder dass Tennisspielerinnen keine kurzen Hosen tragen dürfen, aber die Nicht-Einhaltung solcher Regeln als Extremismus zu bezeichnen, zeugt selbst von Extremismus.

Frank Nägele setzt Individualismus mit Egoismus gleich (ich weiß nicht, welcher auf Ibrahimovic zutrifft) und benutzt das Wort Individualist wie ein Schimpfwort. Auch Unbeugsamkeit verachtet er, egal in welchem Zusammenhang. Trotzdem gibt er sich als ein Befürworter der Gleichberechtigung und Gerechtigkeit und schreibt:  „Es scheint nur wie ein Widerspruch, dass dieser Mensch der populärste Sportler eines Landes ist, dessen größte Errungenschaften des letzten Jahrhunderts Gleichberechtigung, soziale Gerechtigkeit und Pippi Langstrumpf waren“. Was Frank Nägele wohl verpasst hat zu begreifen, ist die Tatsache, dass ohne Individualismus von Gleichberechtigung und sozialer Gerechtigkeit nur so viel übrig bleibt, wie in den ehemaligen kommunistischen Ländern.

Frank Nägele erkennt weder die Individualität noch das Recht auf Selbstbestimmung an und verurteilt jeglichen Versuch, aus den engstirnigen Regeln auszubrechen, um eine offenere und bessere Welt zu schaffen. Wenn alle so denken würden wie er, würden wir noch in der Steinzeit leben.


Februar 2014
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